Bist du in die Gemeinde integriert?

Laut wikipedia hat das Wort Integration sehr viele Bedeutungsebenen, die sich alle auf die Wurzel von "(fem., von lat. integer bzw. griech. entagros = unberührt, unversehrt, ganz), zu deutsch Herstellung eines Ganzen" zurückführen lassen. Dass die Herstellung eines Ganzen auch in der Gemeinde- und Missionsarbeit ihren Platz haben muss, wird allein schon daran deutlich, dass Gott immer mehr Menschen zur Gemeinde hinzufügt.

Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tage etwa dreitausend Seelen hinzugetan. (Apg 2,41)
... lobten Gott und hatten Gunst bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich solche, die gerettet wurden, zur Gemeinde hinzu. (Apg 2,47)

Papierstau beim Kopierer Eine Gemeinde die also aufhört, neue Personen in ihre Gemeinschaft zu integrieren, ist wie eine Druckerpresse mit Papierstau. Sie bleibt unvollständig (weil sie Gottes Bausteine ablehnt) und daher auch wenig nützlich für Leser, die in ihr das Wesen und die Liebe Gottes erkennen sollen.

Aber was bedeutet nun Integration praktisch? Bei wikipedia ist am ehesten noch die Beschreibung unter Integration (Soziologie) hilfreich, um diese Frage zu beantworten. Aber auch nach dieser Lektüre stellt sich weiterhin die Frage, welche Merkmale erfüllt sein sollten, damit man von einer "erfolgreichen" Integration in die Gemeinde sprechen kann?

In der Vorbereitung auf ProChrist-Schulungen, bin ich dazu im "Leitfaden Weiterarbeit bei ProChrist" auf einen sehr interessanten Absatz gestoßen. Dort steht unter der Überschrift "8.10 Kennzeichen eines integrierten Gemeindegliedes" (S.23) folgendes:

Folgende Merkmale sollen helfen, dass Ziel im Auge zu behalte. Das neue Mitglied der Gemeinde / Gemeinschaft

  • identifiziert sich mit den Zielen der Gemeinde
  • besucht regelmäßig den Gottesdienst
  • hat ein sichtbares Zeichen der Aufnahme in die Gemeinde abgelegt
  • hat neue Freunde in der Gemeinde gefunden
  • hat eine Aufgabe, die seinen geistlichen Gaben entspricht
  • ist in eine Kleingruppe integriert
  • gibt regelmäßig einen Teil seines Einkommens für das Reich Gottes
  • versucht andere Menschen mit der guten Nachricht zu erreichen.

Wenn man diese Kriterien liest, dann muss man als erstes Mal festhalten, dass hier sehr viel Wert auf eine Nachhaltigkeit der Evangelisation gelegt wird. Es geht nicht nur um eine Verkünden der frohen Botschaft, sondern um ein tiefes Verwurzeln der Jung-Bekehrten in den biblischen Prinzipien für Gemeinde - ja in die Gemeinschaft der Gemeinde selbst. Sie sollen nicht außen stehen bleiben oder Randfiguren einer örtlichen Gemeinde sein, sondern fester Bestandteil der Gruppe werden. Das hat viel mit Beziehungsarbeit und Jüngerschaft zu tun. Übrigens ein Anliegen, dass man in den Unterlagen von ProChrist deutlich spüren kann.

Als nächstes habe ich darüber nachgedacht, wie sehr ich integrativ war in meinem bisherigen Dienst. Naheliegend ist es, sich die Jugendlichen der letzten Jahre vor Augen zu halten, die ich mit betreuen durfte. Dabei wurde mir bewußt, wie viele Schritte sie auf dem Weg in Richtung Gemeindeintegration bereits gegangen sind. Sie sind noch nicht am Ziel, aber doch schon bedeutend weiter als am Anfang ihrer "Jugendlaufbahn".

Zu guter letzt habe ich mir aber auch die Frage gestellt, wer in unserer Gemeinde nach diesen Kriterien eigentlich eigentlich integriert ist und wer nicht. Dabei musste ich fast schmunzeln. Ich schätze mal, dass nämlich gut die Hälfte eigentlich nicht integiert sind. Interessanterweise gibt es von den acht Kriterien nur drei, die wirkliche Knackpunkte sind:

  1. hat eine Aufgabe, die seinen geistlichen Gaben entspricht (DIENST)
  2. ist in eine Kleingruppe integriert (GEMEINSCHAFT / JÜNGERSCHAFT)
  3. versucht andere Menschen mit der guten Nachricht zu erreichen (MISSION)

Alle anderen Kriterien tun eigentlich nicht weh, aber diese drei sind gerade die entscheidenden, wenn ein Christ im Glauben wachsen möchte. Es geht um meinen verantwortlichen Beitrag am Leib Jesu, damit andere im Glauben wachsen können. Dann um die eigene Bereitschaft, sich korrigieren zu lassen und in der Gemeinschaft mit anderen Christen im Glauben zu reifen und Jesus immer ähnlicher zu werden. Und schließlich von dem Besten weiter zu erzählen, das mir im Leben passiert ist und meinen Missionsauftrag wahr zu nehmen.

An dieser Stelle müssen wir uns entscheiden, ob wir diesen sehr hohen Maßstab wählen, der Integration auch an der Fähigkeit festmacht, ob sich der Einzelne aktiv, verantwortlich und konstruktiv in die Gemeinde Jesu investiert. Oder ob wir unter einer Integration den Vorgang des "Nummer im Gemeindeverzeichnis werden" versteht. Anders gesagt: wollen wir Papierstau erleben oder als ein vollkommenes Buch die Liebe und das Wesen Jesu wiederspiegeln?

Und dann entscheidet selbst, ob ihr integriert seid in eure Gemeinde. Ich sehe bei mir noch immer Potential.

Peter

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