Warum ich ProChrist unterstützt habe!

Es gibt ja immer wieder kritische Stimmen zu ProChrist. Den einen ist diese Evangelisation zu wenig klar, den anderen schon wieder zu extrem. Erst am Samstag erschien in der konservativen Tageszeitung "Die Welt" (zumindest in der Online-Ausgeabe) ein Artikel mit der Überschrift "So peitschen deutsche Prediger ihr Publikum auf". Also alles nur Stimmungsmache und große Show, ohne Frucht für die Ewigkeit?

Nun, mich hat noch keiner gefragt, warum ich mitgearbeitet habe, aber ich möchte trotzdem meine Meinung hier schon einmal darlegen, weil ich ein grundsätzliches Problem unter wiedergeborenen Christen meine zu erkennen. Ich nenne es mal das Ich habe Bedenken-Problem. Bei jeder Überlegung, wie man überhaupt mit den Menschen um uns herum in Kontakt kommen kann und bei jeder Idee, wie man diesen neuen Freunden das Evangelium und Jesus nahe bringen kann, tauchen Bedenken auf - "Können wir das?", "Wieviel kostet das?", "ist diese Methode die richtige?", ... doch dabei übersehen wir scheinbar völlig: Kein Mensch ist vollkommen, warum sollten es unsere Methoden dann sein? Und das Jesus Großveranstaltungen genutzt hat, das ist unbestritten.

Aber mir ist in letzter Zeit auch aufgefallen, wie wenig sich Jesus eigentlich um Kritik an seiner Methodik geschehrt hat. Vermutlich hätte Gott jeden anderen Weg wählen dürfen nur den einen nicht, den er gegangen ist - für die Juden ein Ärgernis und die Griechen Torheit (1.Kor 1,21-25). Die Diskussion um die Methodik mag ihren Platz haben, aber wir sollten diesen Punkt nicht zum Zentrum der Überlegungen machen. Sogar die Frage der Motivation für Evangelisation ist nicht die zentrale Frage (Phil 1,12-20). Stattdessen sollten wir uns wieder mehr darauf besinnen, was eigentlich Gottes Herzensanliegen ist.

Gott wird Mensch, stirbt am Kreuz, steht von den Toten auf, ringt täglich um jeden einzelnen Menschen und macht dich und mich zu seinen Zeugen in dieser Welt. Warum das alles? Weil er Menschen für die Ewigkeit retten will. Und ich wage mal zu behaupten, dass Gottes größte Sorge in Österreich im Moment nicht das "Wie unserer Evangelisation" ist, sondern das "Wieviel". Ich persönlich habe ProChrist 2009 als eine durchaus gute Evangelisation erlebt, bei der die Menschen direkt mit ihrer Sünde konfrontiert wurden, bei der an Nacharbeit gedacht wurde und bei der verschiedenste Mittel eingesetzt wurden, damit Menschen zum Glauben finden können. Das Wunder der Bekehrung muss eh Gott selbst machen. Aber soweit man es vorbereiten konnte, hat man es meiner Meinung nach bei ProChrist 2009 versucht.

Aber für mich ist ProChrist 2009 nicht nur eine Veranstaltung für Menschen ohne Beziehung zu Gott, sondern im Grunde eine riesige Jüngerschaftsschulung. Und das haben wir als Christen vermutlich übersehen. Die Evangelien sind nicht nur Briefe an Nicht-Christen, sondern gerade an Christen. Die gute Nachricht von Jesus Christus bringt auch Christen näher zu Jesus und läßt sie im Glauben wachsen. Und ganau das durfte ich in der letzten Woche bei mir und anderen Mitarbeitern feststellen. So oft wie in diesen 8 Tagen, bin ich selbst schon lange nicht mehr herausgefordert worden:

  1. auf Gott zu vertrauen,
  2. den Kontakt zu fremden Menschen zu suchen,
  3. mich von Gott führen zu lassen
  4. und einfach zu glauben, dass Gott meine Unfähigkeiten gebrauchen kann, um Menschen zu sich zu ziehen.

Durch diese Tage bin ich ganz definitiv im Glauben gewachsen und habe erlebt, wie sehr mich meine Bedenken bisher selbst blockiert haben - dabei war vieles davon nur Einbildung! Und durch diese ProChrist-Tage spüre ich wieder ganz deutlich Gottes große Gnade und Sehnsucht für verlorene Menschen. Die Frucht von ProChrist lässt sich also nur bedingt in der Anzahl der Entscheidungen ablesen. Denn viel Frucht wird auch dadurch entstehen, dass Christen die befreiende Botschaft gehört haben, in ihrem Herzen Wurzeln schlagen lassen und dann im Sinne dieser Botchaft aktiv werden (Mk 4,20). Für mich steht aber außer Frage, dass diese Woche Frucht in der Ewigkeit bewirkt hat und dass sie Gottes Herzensanliegen entspricht - Menschen zu retten und zum Ebenbild Jesu zu formen.

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