Fünf Gedanken zu "Mission"
24. Februar 2009
Habe auf dem Blog von Karl Karzelek einen guten Artikel über die Wortbedeutung von Mission gefunden. Kurz zusammengefasst: Mission ist nicht die Aufgabe von speziell ausgebildeten Christen und hat auch nichts mit fernen Ländern allein zu tun. Karl schreibt:
Beim „Missionar“ spielt also nicht zuerst die Richtung der Sendung eine Rolle, sondern die Herkunft der Sendung.
Im Kern von Mission geht es also um Jesus Christus als dem Aussendenden & Geber des Missionsbefehls und es geht um seine Botschaft bzw. seinen Auftrag. So sind wir also Jesu Botschafter mit seiner klaren Botschaft (2Kor 5,20). Nimmt man nun den bekanntesten Missionsbefehl aus Mt 28,18-20 so stellt man fest, dass der Schwerpunkt auf Eingliederung in den Leib Jesu (Taufe als Zeichen dieser Eingliederung) und Jüngerschaft liegt. Noch mehr zugespritzt könnte man von Evangelisation und Jüngerschaft sprechen, denn vor der Taufe muss die Bekehrung stehen und die kann nur aus einer erfolgten Evangelisation heraus erfolgen. Die übrigen vier Missionsbefehle (Mk 16,15, Lk 24,45ff; Joh 20,21; Apg 1,8) betonen eher den Aspekt Evangelisation, allerdings sprechen die Briefe ausführlichst über Jüngerschaft, so dass wir im gesamten NT eine Ausgewogenheit von Evangelisation und Jüngerschaft finden. Was bedeutet das nun für die Missionspraxis?
Hier ein paar Gedanken, die mich dazu gerade beschäftigen:
- Wenn der Missionsbefehl jedem Christen gilt, und wenn es eigentlich nicht um den Missionar selbst, sondern um seinen Sender und dessen Anliegen geht, dann kann Mission niemals das Delegieren von Verantwortung bedeuten. Die Gemeinde darf den Missionar nicht als Erfüllung ihrer Missionspflicht ansehen, sondern als Team-Partner. Gemeinde sollte schließlich eine Versammlung von Jüngern Jesu sein, die jeder für sich einen "allgemeinen" Missionsbefehl haben, den sie im Speziellen mit einer "gemeinsamen" Vision und Aufgabe verbinden. JEDE Gemeinde braucht somit neben dem WER und dem WAS auch eine konkrete Antwort auf die Frage, WIE die Umsetzung erfolgen soll.
Ohne Antworten auf diese Frage, wird sich nicht viel in der Gemeinde bewegen. Dass es bei der Beantwortung eine große Freiheit gibt, erwähnt Karl in seinem Aufsatz ebenfalls. Im ganzen NT gibt es keine Definition, WIE Mission zu geschehen hat (Paulus geht ja sogar soweit, dass er Formen von Evangelisation gut heißt, die aus falscher Motivation heraus geschehen! Phil 1,15-18). Also kein WIE, aber Gott malt mit der Offenbarung eine Art Vision / Zielfoto vor unsere Augen, das auch schon in Mt 28,18-20 und den anderen Missionsbefehlen auftauchte. Dabei wird klar, dass die WO-Frage am unwichtigsten ist, da Jesus in seinen Befehlen, die ganze Welt als Zielgruppe definiert hat und in der Ewigkeit alle Volksgruppen bei Gott vertreten sein sollen. - Diese Erkenntnis zum WIE bringt mich zu einer Frage, über die ich schon länger nachdenke. Zählt im Grunde nur das Ergebnis? Schaut man sich die Diskussionen über Evangelisationsmethoden in der Fachliteratur an, dann stellt man fest, dass der Streit sich vielfach um das WIE und seinen Einfluss auf den Kern der Botschaft dreht. Dass die Botschaft selbst (WAS) nicht verfälscht werden darf, ist eigentlich klar. Aber wie pragmatisch, erlebnisorientiert, rhetorisch, etc. darf man werden? Ich weiß es (noch !?) nicht.
- Sehr klar ist für mich eigentlich, dass der "allgemeine" Auftrag und die "gemeinsame" Vision der Gemeinde das WAS für jeden Missionar sind. Denn wo eines der beiden fehlt, wird der Missionar immer ein Spezialist und eine Randfigur für die Gemeinde bleiben, weil ihr Herz nicht mit dieser Arbeit verbunden ist. Auch er selbst wird sich mangels Interesse und Unterstützung immer mehr "verselbstständigen" und zu einem Einzelkämpfer werden - im besten Fall noch im Team mit anderen Missionaren, denen es genauso ergangen ist.
- Die Unterstützung des Missionars durch seine aussendende Gemeinde ist eigentlich Pflicht, weil die Gemeinde sich in eine Linie mit Jesus gestellt hat und ein Teil des WER ist. Aber gerade in unserer heutigen Zeit gilt dieser Punkt nicht in dem Maße, wie man es sich wünschen würde. Missionare müssen in der Regel einen breiten Freundeskreis aufbauen und dazu in vielen Gemeinden ihre Vision vermitteln, um die notwendigen Spenden zu bekommen.
Gemeinden als Organisation verweisen dabei gerne auf ein eh schon hohes Missionsbudget ohne weitere Reserven. Wenn man aber das Engagement der Mitglieder neben der Kollekte betrachtet, dann würde ich mal vermuten, dass die Finanzierung der eigenen Missionare grundsätzlich kein Problem sein dürfte (Von rein theologischen Aspekten mal ganz abgesehen!). Aber vielleicht liegt das Problem auch im fehlenden WIE (Punkt 1)?! - Ich bin davon überzeugt, dass wenn die Gemeinde sich dieser Verantwortung UND der Tatsache bewusst ist, dass sie eigentlich nicht den Missionar "durchfüttert", sondern in die Erfüllung eines Auftrags / einer Vision investiert, wird sie sich mit Freuden reinhängen, sowohl finanziell aber noch viel mir personell. Denn es geht nicht um den Missionar in erster Linie, sondern um den Auftraggeber - Jesus! So kann der Missionar zum Katalysator für die eigene Gemeinde werden, wenn eine Partnerschaft existiert.
Diese Gedanken schwirren seit gestern in meinem Kopf herum. Freue mich über Kommentare, Anregungen, Ergänzungen und kritische Rückfragen. Peter
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