Und vor dem Essen Hände waschen nicht vergessen!

Wie ich jetzt auf diesen Titel gekommen bin, werdet ihr euch sicher Fragen. Nun ich sitze gerade vor einer Hausaufgabe für mein Theologiestudium. Muss ein paar Dinge in Markus 7,1-15 untersuchen. Und da lese ich:

Und es versammelten sich bei ihm die Pharisäer und etliche Schriftgelehrte, die von Jerusalem gekommen waren, und als sie etliche seiner Jünger mit gemeinen, das heißt mit ungewaschenen Händen Brot essen sahen… (Vers 1-2)

Jesus hat seinen Jüngern erlaubt, ohne Finger zu waschen am Essen teilzunehmen. Ich höre schon den Aufschrei der Entrüstung durch die Reihen der Eltern rauschen. Und was ungewaschene Finger bei den Essgewohnheiten im Orient bedeuteten. Vor allem in der damaligen Kultur und ohne unser heutiges zivilisiertes Besteck, das mag ich mir gar nicht ausmalen. Aber es kommt noch besser:

…da fragten ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten: Warum wandeln deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Alten,… (Vers 5a)

Sie hätten es auch höfflicher sagen können: „der Eltern“. Aber wir merken ja bereits, dass dieser Text an den Grundfesten der christlichen Kindererziehung rüttelt.

… sondern essen das Brot mit ungewaschenen Händen? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Trefflich hat Jesaja von euch Heuchlern geweissagt, wie geschrieben steht: «Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist ferne von mir; aber vergeblich verehren sie mich, weil sie Lehren vortragen, welche Gebote der Menschen sind.» (Vers 5b-7)

Also liebe Freunde, die ihr Eltern seid, passt gut auf: Diese Verse solltet ihr bei der biblischen Unterweisung eurer Kinder doch vielleicht auslassen. Sonst könnte es eines Tages passieren, dass ihr eurem Kind den obigen Spruch „Vor dem Essen Händewaschen nicht vergessen!“ zuruft und es euch mit dem Zitat aus Jesaja 29,13 zur Buße ermahnt!

Alternativ bleibt euch natürlich noch die Möglichkeit, Gott so zu ehren und anzubeten, wie er sich das vorgestellt hat. Also mit dem ganzen Denken, Empfinden, Wollen und Handeln auf ihn ausgerichtet sein (nach Mk 12,30). Ach ja und dann gilt natürlich als Vorbild für die Kinder, dass man von ihnen nichts fordert, was man selbst nicht auch bereit ist zu tun.

Fazit: Wasch dir erst mal selbst die Hände, bevor du bei anderen nach Schmutz suchst.

In diesem Sinne wünsch ich euch eine saubere Woche. Allen anderen ohne eigene Kinder, die sich vielleicht gerade ins Fäustchen lachen sei noch ein anderer Satz aus der Werbung mit auf den Weg durch die Woche gegeben:

„Was für Kinder gut ist, kann für Erwachsene [auch die ohne Kinder!] nicht schlecht sein, oder?“ Zumindest habe ich davon noch nichts in der Bibel gelesen. Aber wer hätte von uns schon gedacht, dass sich Gott mit uns über das Händewaschen unterhalten muss, wo es doch wahrlich Wichtigeres im Leben gibt, oder?
Gute Nacht! 😉

9 Gedanken zu „Und vor dem Essen Hände waschen nicht vergessen!“

  1. Witzig 😉
    Wusstest Du eigentlich, Peter, dass „sich die Hände waschen“ in Osteuropa teils ein Euphemismus für „auf’s Klo gehn“ ist?
    Hab mich übrigens voll gefreut, als ich Deinen Link in meine „Schmökerecke“ gesehn hab – Danke 🙂

    Dir auch ’ne saubere Woche!
    Melly

  2. Hi Melly,

    deine Anmerkung über das aufs Klo gehen finde ich interessant. Kurz nach meinem Post hatte ich mir nämlich den Text in Mk 7 noch mal durchgelesen und bin auf den Vers 15 gestoßen.

    Es ist nichts außerhalb des Menschen, das, wenn es in ihn hineingeht, ihn verunreinigen kann; sondern was aus dem Menschen herauskommt, das ist es, was den Menschen verunreinigt.

    Im ersten Moment habe ich da gesessen und mich gefragt, ob Jesus hier auf den Klo-Gang anspielt. War echt irritiert darüber. Deshalb habe ich weitergelesen und war froh, dass es eine bessere Erklärung dafür gibt (Vers 17-23).

    Aber mit Oberflächlichkeit und „aus dem Kontext nehmen“ kommt man trotzdem noch ziemlich weit in der Bibel – auf jeden Fall bis zur Lehre vom Händewaschen.

    In diesem Sinne eine saubere 2.Woche auch für dich 😉

  3. Hi Peter,

    na, jetzt muss ich den Text (also Mk 7) wohl auch mal so richtig lesen 🙂
    Machst einen ja richtig neugierig! Gut so!

    Gruß,
    Melly

  4. Hi Peter,

    habe nun den Text nochmal gelesen.
    Jetzt mal ganz ohne Witz: ich habe echt immer gedacht, Vers 15 bezieht sich auf den Klogang. Denn in Vers 19 erklärt Jesus seinen Jüngern ja, dass das, was in den Bauch kommt, später in der Grube landet.
    Mal im Ernst: Wie ist der Vers sonst gemeint?

    Schönen Tag Dir,
    Melly

  5. Hi Melly,

    also ganz so von der Hand zu weisen ist die Sache mit dem Klogang ja nicht. Schließlich haben die Jünger scheinbar auch in diese Richtung gedacht. Ich nehme das jedenfalls an, weil Jesus in Vers 19 vom Klogang redet. Allerdings haben die Jünger wiedermal nicht ganz verstanden, worum es als erstes eigentlich gegangen ist.

    Jesus hat in den Versen vorher von einem Gott wohlgefälligen Herzen geredet. Deshalb zitiert Jesus aus Jesaja

    „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist ferne von mir; aber vergeblich verehren sie mich, weil sie Lehren vortragen, welche Gebote der Menschen sind [und gleichzeitig zu einem Übertreten von Gottes Geboten führen!].“ (Markus 7,6-7 zitiert aus Jesaja 29,13)

    Die Pharisäer und Schriftgelehrten erscheinen in Markus 7,1-15 wieder einmal als die oberflächlichen, äußerlichen und traditionellen. Solange alles den richtigen Anschein hat, ist es in Ordnung und sauber.Jesus will mit seiner Aussage (ein Gleichnis! vgl. Vers 17) in Vers 15 jedoch deutlich machen, dass Sauberkeit bzw. ein Gott wohlgefälliges Herz eine Frage der eigenen Herzenseinstellung ist. In der Bibel ist das Herz

    „Der Sitz d. menschlichen Energien, d. persönlichen Lebens, d. Verstandes, d. Emotionen, d. Begierden, d. Entscheidungswillens und d. Liebe“ (Griechisch-Deutsch Lexikon; Bibelworkshop Library 2)

    Und ganau das ist es auch, was Jesus in Vers 20-23 seinen Jüngern erklärt. Sünde kommt in unserem Leben deshalb vor, weil wir ihr in unserem Herzen Raum geben (vgl. Jak 1,13-18). Deshalb ist auch das höchste Gebot

    … du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzem Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Gemüte [Verstand] und mit aller deiner Kraft!

    Im Herzen entscheidet sich, wie wir zu Gott stehen, ob wir gleich sündigen oder Gott anbeten. Das will Jesus hier seinen Jüngern verklickern. „Aus dem Menschen herauskommt“ ist also in einem anderen Sinn gemeint; nämlich was wir aus dem Herzen heraus an negativen Aktionen setzten, dass macht uns vor Gott zu Sündern und dreckigen Menschen.

    Hoffe ich konnte dir den Text ein bisschen erhellen.

    Liebe Grüße
    Peter

  6. Hi Peter,

    vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.
    Kann es sein, dass das schwierige an dem Text ist, dass es teils (bei oberflächlichem Lesen) nicht klar ersichtlich ist, wo Bildebene und konkrete Ebene in einander übergehen?
    Vielen Dank für’s Erhellen der tieferen Bedeutung.
    Aber würdest Du mir also schon darin zustimmen, dass die Metapher, die Jesus in Vers 19 verwendet, auf der Bildebene betrachtet den Klogang meint (auch wenn er durch deren Verwendung eine tiefere Aussage damit treffen will)?

    Lieben Gruß,
    Melly

    P.S.: Kannst Du mal ein Foto von Dir und Deiner Frau posten? Würde ja gern mal ein Bild von Euch sehen.

  7. Ah, Peter,

    jetzt hab ich’s glaub. Kann es sein, dass wir an einem Punkt etwas aneinander vorbei geredet haben?
    Im Blick auf Vers 15 habe ich mich nämlich stets nur auf 15a bezogen
    „Es ist nichts außerhalb des Menschen, das, wenn es in ihn hineingeht, ihn verunreinigen kann“ (gar nicht auf 15b; denn da war mir klar, dass sich das auf Tieferes bezieht) und dies mit Vers 19 im Hinterkopf. Jetzt bei nochmaligem Lesen des Texts hab ich erst gemerkt,
    dass der Teil, dass das, was in den Bauch kommt, auch wieder rauskommt, in Vers 15 ja gar nicht vorkommt…
    Meintest Du in Deinem ersten Post an mich vielleicht 15b – und ich bezog es auf 15a?

    Melly

  8. Hi Melly,

    langsam habe ich einen Knoten im Hirn. Aber ich glaube, dass deine letzte Feststellung stimmt. Ich habe mich beim Klogang wirklich nur auf 15b bezogen.

    Zu 15a würde mir nur einfallen: „Dreck reinigt den Magen!“ 🙂

    Peter

    PS: auf unserer Homepage findest du mehrere Fotos von meiner Frau und mir. Schau doch mal vorbei.

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